Das »Kukuun« entpuppt sich
JANE MASUMY
Von der Larve zum Schmetterling: Das Kukuun hatte sich lange genug verpuppt. Jetzt enthüllt der Musikclub mit Kulturprogramm sein neues 146-Quadratmeter-Zuhause in der Talstraße 9. "Als Live-Club ist das neue Kukuun perfekt - wunderbarer Sound, guter Schallschutz und eine große Bühne. Geplant von einem Architekten, der sonst Tonstudios baut. Damit haben wir ein Potenzial, das wir vorher vermisst haben." Keine Abschiedstränen. Betreiberin Julia Staron (38) ist begeistert von der neuen Location: "Jetzt haben wir einen richtigen Club! Davor hatten wir irgendwas dazwischen."
Davor - das waren fünf Jahre am Spielbudenplatz. Das ehemalige "Florida Art Hotel" wurde zum Wohnzimmer von Kukuun-Fans. Kunstausstellungen, Performances, Konzerte: von Heavy Metal bis Electro. "Wir operierten genre-übergreifend. Unser Publikum war nicht so sehr darauf festgenagelt, wer auftrat. Wichtig waren uns aber immer, dass die Abende den Besuchern etwas geben. Keine Ammer-Partys."
Konzerte waren nicht immer leicht: "Mehr als vier Leute passten nicht auf die Bühne", sagt Julia. Waschbecken in den Zimmern. Eine Dusche am Ende des Ganges - Charme und Begrenzung der ehemaligen Absteige.
Und weil das Hotel im ersten Stock einen Panoramablick auf den Kiez bot, nannten sie es "Kukuun" - einen Ort, wo man gemütlich durch die Fensterscheibe der Partywelt draußen zusieht. Orientiert am "Cocooning", englisch für "sich verpuppen" - einem Trend, den Forscher zu Anfang des 21. Jahrhunderts entdeckt haben wollten. In einer als bedrohlich empfundenen Welt verschanzen sich Leute zu Hause und kommunizieren über die Weiten des Webs.
Dann kam der Schock: Der Vermieter wollte die Räume zurück, die Kukuun-Freunde mussten raus aus dem Nest. Julia und Ehemann Olaf gründeten das St. Pauli-Stadtteilmagazin "Makrele" und machten die Redaktionsräume in der Talstraße 29 zum neuen Wohnzimmer.
Für das neue Kukuun wenige Häuser entfernt verhandelten die Betreiber: Die ersten sechs Wochen überließen sie den Laden als "L&M"-Club dem Philip Morris-Konzern, der sich dafür zu 30 Prozent am Ausbau des Clubs beteiligte. Vorwürfe, sie betreibe einen "Industrieclub" lässt Julia nicht gelten: "Ich hätte mir sonst keinen Schallschutz leisten können. Eine zeitlich begrenzte Partnerschaft mit der Industrie ist mir lieber, als bei der Stadt um Geld zu betteln."
Jetzt sind dem Kukuun Flügel gewachsen. Der alte war weiß, der neue Club ist schwarz. Donnerstag bis Sonnabend ist der neue Club geöffnet: mit Live-Bands und Top-DJs. Die Sonnabende werden elektronisch. Und sonntags will Julia Jazz einführen.
Morgen (20 Uhr, 8 Euro) weiht Singer-Songwriter Johannes Oerding den Club ein, danach legen Resident Napoleon und Jacob the Butcher Funk auf.
Am Sonnabend (21 Uhr, 8 Euro) spielt die Band "Swackness" Jazz, Rock und Soul. Funkige Scheiben drehen danach Supergid und Napoleon.
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